Warum 80 % der Anforderungsprofile am Markt unrealistisch sind

Kaum ein Dokument beeinflusst den Recruiting-Erfolg so stark – und wird gleichzeitig so selten hinterfragt – wie das Anforderungsprofil.

In der Praxis zeigt sich immer wieder: Der Großteil offener Positionen scheitert nicht am Arbeitsmarkt, sondern an Erwartungen, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Das Anforderungsprofil als Wunschzettel

Viele Profile entstehen nicht aus dem tatsächlichen Bedarf heraus, sondern aus der Vergangenheit:

  • frühere Rollen werden 1:1 kopiert
  • Kompetenzen einzelner Top-Performer werden zum neuen Maßstab
  • interne Erwartungen werden addiert, statt priorisiert

Genau hier setzen wir bei Squadra regelmäßig an: Bevor über Reichweite, Inserate oder Kanäle gesprochen wird, wird das Anforderungsprofil gemeinsam geschärft – nicht sprachlich, sondern inhaltlich. Denn ohne Klarheit produziert Recruiting vor allem eines: Reibungsverluste.

 

 

Mein Tipp:

Sprechen Sie mit jemandem, der Ihnen ehrlich sagt, was der Markt gerade hergibt.

Das spart mehr Zeit als jede Abkürzung im Prozess.

Die drei häufigsten Ursachen unrealistischer Profile

1. Muss- und Kann-Kriterien verschwimmen

Wenn alles ein Muss ist, ist nichts mehr entscheidend. Für Kandidat:innen entsteht kein klares Bild – für Recruiter:innen kein verlässlicher Filter.

In der Praxis zeigt sich: Sobald Muss-Kriterien konsequent reduziert und priorisiert werden, steigt nicht nur die Anzahl, sondern vor allem die Qualität der Bewerbungen.

 

2. Marktkenntnisse werden überschätzt oder ignoriert

Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht. Trotzdem werden Profile formuliert, als gäbe es ein Überangebot an exakt passenden Lebensläufen.

Bei Squadra fließt an dieser Stelle bewusst Marktrealität ein: Welche Skills sind kombinierbar, welche Profile sind tatsächlich verfügbar und wo braucht es bewusste Entscheidungen statt Idealbilder?

 

3. Das Profil ersetzt die Entscheidung

Überfrachtete Anforderungsprofile sind häufig ein Zeichen fehlender Klarheit. Wer alles fordert, muss sich später nicht festlegen.

Das Problem: Gute Kandidatinnen und Kandidaten reagieren auf Unschärfe sehr klar – sie bewerben sich nicht.

Gerade bei Wachstum, Internationalisierung oder neuen Kollektivverträgen zahlt sich ein erfahrener Sparringspartner aus. Viele Fragen lassen sich klären, bevor sie zu Risiken werden.

Warum unrealistische Profile dem Recruiting messbar schaden

Die Folgen sind bekannt:

  • sinkende Bewerbungszahlen
  • längere Time-to-Hire
  • steigender interner Aufwand
  • Frust auf beiden Seiten

Gerade in der Personalsuche zeigt sich immer wieder: Ein sauberes, realistisches Anforderungsprofil wirkt wie ein Verstärker. Inserate performen besser, Gespräche werden zielgerichteter und Prozesse werden spürbar kürzer.

Was realistische Anforderungsprofile anders machen

Trennschärfe statt Vollständigkeit

Was ist in den ersten 6–12 Monaten wirklich erfolgskritisch?

 

Marktrealismus statt Wunschdenken

Was ist im aktuellen Markt erreichbar – fachlich wie wirtschaftlich?

 

Klarheit statt Absicherung

Je klarer die Rolle, desto höher die Passung der Bewerbungen.

Genau an diesem Punkt beginnt für uns bei Squadra wirksames Recruiting: Dort, wo Erwartungen, Markt und Rolle in Einklang gebracht werden. Nicht als theoretische Übung, sondern als Grundlage für erfolgreiche Personalsuche – unabhängig davon, ob ein Inserat geschaltet oder der gesamte Prozess begleitet wird.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Was wäre ideal?

Sondern: Was funktioniert im Markt und führt zur richtigen Besetzung?

Eine Frage, die im Recruiting oft zu wenig gestellt wird – und die doch über so viel entscheidet.

Autor: Michael Karas
Niederlassungsleiter Wien

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