50plus - Eine Generation in den Startlöchern

Die Zahl der Arbeitsuchenden im Alter von 50+ steigt von Monat zu Monat. Zu alt, zu teuer, zu unflexibel - heißt es von Seiten vieler Unternehmen. Aber kann es sich unsere Volkswirtschaft auf Dauer leisten, auf die Erfahrung und Schaffenskraft älterer Arbeitnehmer zu verzichten? Wir haben nachgefragt!

Mit welchen Herausforderungen haben Mitarbeiter der Generation 50+ bei einem  Jobwechsel bzw. Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu kämpfen?

Birgit Gerstorfer, Geschäftsführerin des AMS Oberösterreich: Bei einem großen Angebot an Arbeitskräften, wie es derzeit herrscht, haben Ältere mitunter schlechtere Karten. Aber es kommt auch auf die Branche an. Bei körperlich anstrengenden Tätigkeiten sind die Voraussetzungen schlechter als bei Tätigkeiten, die vor allem ein langjähriges berufliches Know-how erfordern. Viele Unternehmen haben Angst, dass ältere Arbeitskräfte unflexibler oder öfter krank sind als jüngere und wegen der Gehaltskurve teurer kommen.

Ing. Hans-Peter Panholzer, MBA,  Geschäftsführer Squadra Personalmanagement GmbH: Ich denke, dass für die Generation 50+ bei einem Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt mehrere Faktoren zusammenspielen: Sich plötzlich wieder bewerben und positionieren, die richtigen Kanäle und Ansprechpartner finden, mit dem Internet warm werden, sich eventuell unterordnen oder Gehaltsabstriche machen müssen - dies kann in vielen Fällen zu Überforderungen führen. Darüber hinaus gibt es auch genügend Unternehmen, die älteren Bewerbern mit Vorurteilen begegnen und lieber auf junge Mitarbeiter setzen, die eventuell team- und anpassungsfähiger sind bzw. mit dem Tempo oder neuen Technologien mithalten können.

Judith Seiwald, BA, Personalmanagement market calling Marketing GesmbH: Herausforderungen für Bewerber 50+ liegen meines Erachtens in den Anforderungen der Firmen. Vor allem im technischen Bereich gibt es laufend neue Entwicklungen, wo älteren Kollegen einfach mehr Zeit gelassen werden muss – was wiederum mit mehr Zeitaufwand und höheren Kosten verbunden ist und daher teilweise nicht gerne gesehen wird. Sobald sie alles können, kann man jedoch auf Erfahrung, Engagement und Vorbildwirkung zählen.

Wie kann man mit 50+ attraktiv für Unternehmen bleiben bzw. werden? Welches Potenzial sehen Sie in arbeitswilligen Personen dieser Generation?

Hans-Peter Panholzer: Die Generation 50+ ist heutzutage aus mehreren Gründen ein unverzichtbarer Bestandteil am Arbeitsmarkt: Es fehlt uns immer mehr an qualifizierten Fachkräften und diese Generation hat über Jahrzehnte umfangreiche Ausbildungen genossen. Darüber hinaus spricht für diese Altersgruppe neben deren Erfahrungsschatz auch das Attribut 'Verlässlichkeit', das mittlerweile in der Berufswelt Mangelware geworden ist. Bei vielen unserer Kunden kommt es auf schnelle und passgenaue Besetzung an. Das Alter der Bewerber ist hierbei von nachrangiger Bedeutung. Entscheidend sind Qualifikation und Motivation! Auf diese Weise haben wir schon vielen älteren Arbeitnehmern zu einer neuen Karriereperspektive verholfen.

Birgit Gerstorfer: Die Generation der über 50-Jährigen ist in der Regel gut ausgebildet und firmentreu. Die Jüngeren wachsen hingegen in einem stark veränderten Umfeld auf. Job- und Branchenwechsel sind heute nicht mehr ungewöhnlich und gehören ganz selbstverständlich zu einer Jobkarriere. Beide Karriereverläufe haben ihre Vor- und Nachteile. Entscheidend ist aber, dass sich die Arbeitskräfte – egal welchen Alters – ständig weiterbilden. Darüber hinaus haben Studien mehrfach gezeigt, dass eine Durchmischung der Belegschaft für Unternehmen viele Vorteile bringt. Gerade 'inhomogene' Teams – was etwa Alter, Geschlecht sowie den persönlichen und beruflichen Background betrifft – sind meist kreativer als Gruppen mit gleichartigen Erfahrungen.

Judith Seiwald: Market calling Marketing GmbH hat mehr als 25 Mitarbeiter 50+ beschäftigt, das macht rund 17 Prozent der Gesamtbelegschaft aus. Wir sind stolz auf unsere ́älteren ́ Kollegen, die teilweise schon sehr lange bei uns im Unternehmen sind und somit auch wertvolle Erfahrungen und Tipps für die jüngeren Kollegen parat haben, die diese auch gerne annehmen. Market calling findet in dieser Mitarbeitergruppe langfristige Kollegen, die sehr offenherzig und dankbar sind, in einem Unternehmen mit fixem Arbeitsplatz tätig sein zu dürfen – und das ganz ohne Angst, von Jüngeren überflügelt zu werden.

Einer dieser Mitarbeiter ist der 60jährige Karl Heinz Zwettler. Nach seinem Jobverlust konnte er durch das Arbeitskräfteüberlassungsmodell von Squadra wieder erfolgreich in den Arbeitsmarkt eingegliedert und mit Ende Februar sogar vom Kunden market calling in ein fixes Dienstverhältnis übernommen werden. Über das Potenzial seiner Generation denkt er wie folgt:

Karl Heinz Zwettler: Ich war 35 Jahre lang bei der Firma Quelle beschäftigt und habe dort eine eigene Abteilung geleitet, bis die Insolvenz des Unternehmens mir von heute auf morgen den Arbeitsplatz kostete. In der Insolvenzstiftung habe ich eine Ausbildung absolviert, war aber dennoch zwei Jahre arbeitsuchend. Es war zermürbend, trotz eines fundierten Lebenslaufes und zahlreicher Kenntnisse, mit Standardabsageschreiben und dem Vermerk 'andere Bewerber waren besser für die ausgeschriebene Stelle geeignet' abgespeist zu werden. Über Squadra habe ich die Möglichkeit bekommen, bei der market calling Marketing GesmbH als Call Center Agent zu arbeiten. Der Job bereitet mir Freude, ich kann meine Kenntnisse einbringen und habe mit Menschen zu tun. Ich sehe in unserer Generation großes Potenzial, das brachliegt, da Unternehmen den Wert unseres Wissens und unserer Erfahrungen nicht erkennen. Den Einstieg in den Arbeitsmarkt über das Arbeitskräfteüberlassungsmodell von Squadra habe ich als sehr positiv empfunden, da einem einfach mehr Möglichkeiten geboten werden.

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